Kampagne „Redet mit uns!“ fordert Mitsprache bei der Zukunft der Sexarbeit
Mit der Kampagne „Redet mit uns!“ wenden sich Sexarbeiterinnen, Sexarbeiter, Betreiber von Prostitutionsstätten und weitere Akteure der Branche an Politik und Öffentlichkeit. Im Mittelpunkt steht die Forderung, Menschen, die unmittelbar von gesetzlichen Regelungen betroffen sind, künftig stärker in politische Entscheidungen einzubeziehen – insbesondere bei der laufenden Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG).
Die Initiative begleitet die wissenschaftliche Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN). Ziel ist es, die Erfahrungen der Betroffenen sichtbar zu machen und politische Entscheidungen stärker auf praktische Erkenntnisse und belastbare Daten zu stützen. Dafür ruft die Kampagne Sexarbeitende dazu auf, ihre persönlichen Erfahrungen einzubringen.
Forderung: Entscheidungen auf Grundlage von Fakten
Ein zentrales Anliegen der Kampagne ist, dass Änderungen am Prostitutionsrecht erst nach Abschluss der Evaluation und auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgen. Grundsatzdebatten – etwa über die Einführung des sogenannten Nordischen Modells – sollten nach Ansicht der Initiatoren nicht geführt werden, bevor belastbare Ergebnisse vorliegen.
Mehr Digitalisierung und weniger Bürokratie
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Digitalisierung behördlicher Verfahren. Die Initiative schlägt unter anderem vor, die Anmeldung und gesundheitliche Beratung vollständig digital anzubieten. Dadurch könnten unnötige Reisen, lange Wartezeiten und bürokratische Hürden reduziert werden. Gleichzeitig sollen Informationen bundesweit einheitlich sowie in mehreren Sprachen bereitgestellt werden.
Kritik an bestehenden Regelungen
Die Kampagne kritisiert mehrere Bestimmungen des Prostituiertenschutzgesetzes. Nach Ansicht der Initiatoren greifen verschiedene Regelungen unverhältnismäßig in die Berufsfreiheit und Selbstbestimmung von Sexarbeitenden ein und führten teilweise zu zusätzlicher Stigmatisierung. Außerdem wird gefordert, staatliche Informationsangebote künftig stärker an wissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten und die Expertise von Betroffenen sowie Fachberatungsstellen systematisch einzubeziehen.
Petition für mehr Mitsprache
Begleitend zur Kampagne wirbt „Redet mit uns!“ für eine Petition, die Politik und Behörden dazu auffordert, Menschen aus der Sexarbeitsbranche künftig frühzeitig in Gesetzgebungsverfahren einzubeziehen. Die Initiatoren vertreten die Auffassung, dass Regelungen nur dann praxistauglich und wirksam sein können, wenn die Erfahrungen derjenigen berücksichtigt werden, die täglich in der Branche arbeiten.
Warum das Thema für Sinnify wichtig ist
Als Plattform für selbstbestimmte Sexarbeit verfolgt Sinnify das Ziel, sachliche Informationen bereitzustellen und den Dialog innerhalb der Branche zu fördern. Unabhängig von politischen Positionen zeigt die Kampagne, wie wichtig es ist, dass Betroffene ihre Perspektiven in gesellschaftliche und politische Diskussionen einbringen können.
Wer sich näher über die Forderungen informieren oder die Petition unterstützen möchte, findet weitere Informationen auf der Kampagnenwebsite „Redet mit uns!“.